That’s what she said…

Ich bin abgehaun, falls das jemand nicht mitbekommen hat. Ich bin für 2,5 Monate in die USA geflogen. Warum? Weil ich die Schnauze gestrichen voll hab. Die letzten 3 Monate ging nichts mehr, ich war demotiviert, deprimiert, ausgelaugt. Aus diesem Grund hab ich entschieden etwas für mich zu tun. And here is the plan: Fly to the United States, travel through the country and come back after you get kicked out. Also hab ich mir gegen Ende November ein Ticket gekauft und bin Anfang Dezember abgehaun. Aja und ich hatte vor den ganzen Trip mit Greyhound Bussen (The Loser Cruisers) und Couchsurfing zu realisieren.

Die Causa Bradley Cyr

Etwa zwei Wochen vor meiner Abreise war ich mit Tobias und Clemens in Wien unterwegs. Zwei Amerikaner, angezogen von der Flasche Wein, die dem langen Tobi aus der Tasche hing, wie ich im nachhinein heraus fand, redeten uns auf der Straße an. “You guys look like you know what you are doin’. Do you know a bar where we can get wasted?”. Wir haben sie kurzerhand eingepackt und mit ins Donau geschleppt. Dort fand ich heraus, dass Brad und ich den gleichen Plan hatten, etwa zur selben Zeit und nahezu dieselbe Route, BOOM! Er hat ein Auto, ist Amerikaner und weiß im Allgemeinen was zu tun ist. Wir hatten einen feinen Abend und verabredeten uns in Minneapolis für Ende Dezember.

New York City

Martin, ein ehemaliger Studienkollege meines Vaters, lebt auf Long Island, ist mit einer Amerikanerin verheiratet und hat zwei sehr liebe Kinder. In deren Dachbodenzimmer habe ich meinen ersten Stützpunkt aufgeschlagen als ich am 6. Dez. in NYC ankam. Die ersten Tage hab ich den ganzen Touristenkram erledigt der anstandshalber zu absolvieren ist: Central Park, MoMA, Metropolitan Museum of Art, Empire State Building (bei Nacht. Sehr geil! Gute Musik mit nehmen!), Apple Store (Vorsicht langweilig!), etc. In der Zeit hab ich angefangen die ersten couchsurfing gatherings zu besuchen. Das war wirklich eine feine Sache. Nicht nur Locals aus NYC sondern auch Gestalten aus der ganzen Welt ließen sich dort blicken. Saufen gehn in New York macht übrigens arm, da hilft nichtmal ein phenomenaler Wechselkurs.

Die darauffolgenden anderthalb Wochen hab ich dann bei Rebecca, einer Taiwanesin, in Flushing New York verbracht. Flushing ist sowas wie das neue Chinatown. Mit Rebecca hab ich eine feine Zeit in einer komplett anderen Welt verbracht. Sie hat taiwanesisch gekocht, ich europäisch.

Martin’s besagte Ehefrau ist italienischer Abstammung und so hab ich ein italoamerikanisches Weihnachtsfest mit ihnen verbracht.

Minnesota

Ende Dezember also besagter Treffpunkt in Minneapolis mit Brad. Flug von NYC nach Minneapolis kostet knapp 120 Eier, das sind 85 Kröten. Die erste Nacht verbrachten wir bei Brad’s Eltern in Rochester Minnesota. Das erste wirklich bequeme Bett (und auch soweit das letzte). Am nächsten Morgen gings also los. ROADTRIP!! Erster Stopp war ein Apartment im 16. Stock eines Hochhauses in Minneapolis eines von Brads Freunden. Am Abend mal wieder viele Leute getroffen deren Namen mir innerhalb eines halben Tages wieder entfallen sind.

North Dakota

Eine echte amerikanische Hochzeit dürfe ich mir nicht entgehen lassen, hieß es. Das war der eigentliche Grund bereits Ende Dezember gen Westen zu ziehn und Silvester am Times Square sausen zu lassen (ist angeblich aber eh entbehrlich). Schauplatz war Bismarck (ja, benannt nach Otto von Bismarck, hab nach gefragt). Die Hochzeit war genial. Gefeiert wurde bis in die Früh, ich hab den Electric Slide getanzt und die Leute dort waren herrlich. Überhaupt sind die Menschen in den Nordstaaten unglaublich herzlich, offen und intelligent. Ein bischen hat mich dieses Gebiet an Skandinavien erinnert.

In North Dakota hab ich ein Spiel gelernt, dass sich von Seinfeld ableitet und unter der Jugend sehr beliebt ist. Jemand in der Runde gibt inmitten eines Gesprächs ein Statement ab, dass beispielsweise diesem fiktiven Statement ähneln könnte: “I expected much, but not this.”, worauf ein besonders schlagfertiger, aufmerksamer Geselle folgendes zu bedenken gibt: “That’s what she said”. Heiteres Gelächter ist die Folge.

Montana

Zu unfassbaren Zeiten sind wir am 31. Dez. nach Bozeman, Montana aufgebrochen. Im Vorfeld hatte Brad Hosts aufgetrieben, einen Haufen Mädels in einer Holzhütte. Das war in der Tat einigermaßen abgefahren dort. Komplett wahnsinnige Östküstlerinnen die aus irgendeinem Grund nach Bozeman ins Nichts gezogen sind. Die haben uns dann auf eine noch schrägere New Years Eve Party mit geschleppt. Ein Haufen Künstler aus allen Ecken der Staaten, denen das neue Jahr aber sowas von egal war. Irgendwann um 1 Uhr früh bin ich drauf gekommen, dass eine neue Dekade angebrochen war.

Am Tag darauf waren wir dann in den Rocky Mountains Schifahren und am Abend hat uns Brad mit Sushi bekocht. Er war mal ein Jahr lang Sushi Chef in einem Lokal.

Washington

Die Tage davor waren wir jeden Tag betrunken. Am Tag unserer Abreise aus Bozeman waren wir beide komplett am Ende. Daher hat uns das Schicksal zwei Aufbautage in Spokane beschert. Hannahlee ist eine Zuckermaus in einem Zuckerhaus.  Mit Jango Reinhardt Platten, einer Badewanne und einer dicken Internetleitung waren alle Voraussetzungen geschaffen um das Haus zwei Tage lang nicht zu verlassen. Wiedermal hat uns Brad königlich bekocht. Squash Soup, Lammfleisch Medaillons und Crème Brûlée, herrlich.

Nun sind wir seit zwei Tagen in Seattle und ich sehe endlich seit langer Zeit meinen Cousin Floris und seine Frau Lauren wieder. Ihre beiden Kinder hab ich zum ersten mal live erlebt und ich bin sehr entspannt. Im Haus ist nur Platz für einen Gast, für Brad haben wir neue Hosts gesucht. Erster Host war die reizende Viktoria. Die Tatsache, dass sie in Wahrheit ein Kerl war, hat ihren Charm in keiner Weise getrübt. Lo & Flo haben uns gestern zum Essen eingeladen. Heute koche ich als Gegenleistung wiedermal Lasagne für die Bande. Möglicherweise fahren wir morgen oder übermorgen nach Kanada hinauf.

Sie werden noch von mir hören.